FSME-Zecke-Rasen-Wanderer

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

FSME ist eine durch Zecken übertragene Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die in vielen Teilen Europas endemisch ist und schwere gesundheitliche Folgen haben kann. FSME stellt ein zunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit dar, das durch höhere Impfraten und einen aktiven Impfstatus in der Bevölkerung erheblich verringert werden könnte.¹⁻⁴

Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine potenziell lebensbedrohliche Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen wird. Das FSME-Virus gehört zur Familie der Flaviviridae.1-4

FSME ist in 27 Ländern Europas endemisch.1,3 Jedes Jahr werden etwa 10.000–12.000 klinische FSME-Fälle gemeldet. Die Zahl wird jedoch wahrscheinlich unterschätzt, da häufig keine Meldepflicht für die Erkrankung besteht.1,3,5

Weltweit sind hauptsächlich drei Subtypen des FSME-Virus verantwortlich: der westliche, der sibirische und der fernöstliche Subtyp.1

 

Wie wird FSME übertragen?

Das primäre Erregerreservoir sind kleine Nagetiere. Die Übertragung erfolgt durch Zeckenstiche (meist Ixodes ricinus). In seltenen Fällen kann die Infektion auch durch den Verzehr von Rohmilch infizierter Tiere erfolgen.6

Bei Waldbesuchern besteht ein 4–5 Mal höheres Risiko für Zeckenkontakte als bei anderen Personen.7
In Endemiegebieten ist das FSME-Risiko am höchsten bei Personen, die sich in der Natur aufhalten
(z.B. zum Zelten, Wandern, Angeln, Gartenarbeit) oder aus beruflichen Gründen
(z.B. Jäger, Holzfäller, Landwirte und Mitarbeiter im Labor) die zeckenexponiert sind.4
In Mitteleuropa wird die höchste Zeckenaktivität zwischen April und November beobachtet.1
Aufgrund milder Winter können Zecken auch ganzjährig aktiv sein.
In allen Altersgruppen sind Männer häufiger betroffen als Frauen.1,3
Etwa 10–20% der FSME-Fälle treten bei Kindern auf.1,3
Die Impfquoten in deutschen Risikogebieten weisen deutliche Altersunterschiede auf.
Dies ist besonders relevant, da im Vergleich zu Kindern ältere Menschen ein deutlich höheres Risiko
eines schweren Krankheitsverlaufs haben und Komplikationen oder bleibende Schäden erleiden können.10

Durch den zunehmenden Tourismus ist FSME inzwischen zu einem weltweiten Problem geworden
und sollte deshalb bei der Differenzialdiagnose von ZNS-Infektionen bei Personen mit passender Anamnese
mitberücksichtigt werden.1


FSME Maus
Primäres Erregerreservoir und Hauptwirte des FSME-Virus (FSMEV) in der Natur sind kleine Nagetiere
(z.B. Wühlmäuse und Mäuse). Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch einen Zeckenstich (Ixodida sp.).1,4


FSME Zecke
Infizierte Zecken finden sich in Waldgebieten, einschließlich Laubwäldern und Übergangszonen
zwischen Wäldern, Büschen und im Grasland.4


FSME Rohmilch
Etwa 1% aller FSME-Infektionen beim Menschen werden wahrscheinlich durch den Konsum
virusinfizierter Rohmilch oder von Rohmilchprodukten infizierter Tiere, insbesondere Ziegen, übertragen.1

Symptome & Verlauf

1

Phase 1: Grippeähnliche Symptome

  • Da das klinische Bild der FSME unspezifisch ist, erfordert die Diagnose einer FSME einen labordiagnostischen Nachweis des Virus.³
  • Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht.7
  • FSME-Patienten müssen typischerweise stationär behandelt werden. Angezeigt ist eine unterstützende Therapie zur Linderung von Symptomen, die in der Regel einen Flüssigkeits- und Elektrolytersatz sowie die folgenden Medikamente umfasst:1
    • Antipyretika
    • Analgetika
    • Antiemetika
    • ggf. Antikonvulsiva
2

Phase 2: Neurologische Ausfälle

  • Oft Meningitis oder Enzephalitis
  • Patienten mit neuromuskulärer Beteiligung bis hin zur Atemlähmung müssen intubiert und künstlich beatmet werden, während Patienten mit Hirnödem und erheblich erhöhtem Hirndruck häufig Mannitol- und/oder Steroid-Infusionen erhalten.1

Die höchste Zeckenaktivität in Europa wird zwischen April und November beobachtet.1

Eine Impfung sollte vor Beginn der Zeckensaison erfolgen.

Für eine vollständige Grundimmunisierung und langfristigen Immunschutz sind 3 Impfdosen notwendig sowie regelmäßige Auffrischimpfungen.

Wer ist gefährdet?

Besonders gefährdet sind Menschen, die sich häufig in der Natur, in Wäldern und Grüngebieten, wie Stadtparks oder dem heimischen Garten aufhalten. Bei Waldbesuchern besteht ein 4–5 Mal höheres Risiko für Zeckenkontakte.4

Die FSME stellt in ganz Europa ein zunehmendes Gesundheitsproblem dar und Endemiegebiete weiten sich aus.1

FSME in Europa

  • Die Anzahl der FSME-Fälle beim Menschen stieg in den letzten 30 Jahren in allen endemischen Regionen Europas um fast 400%.4
  • Der Anstieg der gemeldeten Inzidenzraten wird als Folge eines komplexen Zusammenspiels sozialer und ökologischer Faktoren sowie eines verbesserten medizinischen Bewusstseins und einer fortschrittlicheren Diagnostik angesehen.4-8

 

In Deutschland, der Schweiz und Schweden treten mehr als 40% aller europäischen FSME-Fälle auf.⁵

Aktuell sind 183 Stadt- und Landkreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete vom Robert-Koch-Institut (RKI) identifiziert.10

Schutz gegen FSME

Der zuverlässigste Schutz und damit die wirksamste Prävention gegen FSME ist die Impfung.¹⁰ Für eine vollständige Grundimmunisierung sind 3 Impfdosen erforderlich, die entsprechend verschiedener Impfschemata in unterschiedlichen Zeiträumen verabreicht werden. Um den Immunschutz langfristig zu erhalten sind regelmäßige Auffrischimpfungen notwendig.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen FSME für:10

  • Personen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder arbeiten und Zecken-exponiert sind oder sich in FSME-Risikogebieten aufhalten oder dorthin reisen
  • Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (exponiertes Laborpersonal sowie in Risikogebieten, z. B. Forstarbeiter und Exponierte in der Landwirtschaft)
  • Personen, die in FSME-Risikogebieten außerhalb Deutschlands Zecken-exponiert sind

Auch die WHO und das ECDC empfehlen die Impfung für Personen in FSME-Risikogebieten.2

Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine ernste Erkrankung

Es gibt keine Heilungsmethoden, aber die Krankheit ist durch Impfung vermeidbar. Zecken sind vom Frühling bis zum Herbst am aktivsten, insbesondere in Wäldern und grasbewachsenen Gebieten.

Weitere Informationen

30 September 2025

  1. Bogovic P, Strle F. World J Clin Cases. 2015;3(5):430–441.
  2. Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO). TBE prevention. https://www.who.int/news-room/detail/19-02-2020-immunization-is-the-best-protection-against-tick-borne-encephalitis, letzter Zugriff 08/2025. https://www.who.int/news-room/detail/19-02-2020-immunization-is-the-best-protection-against-tick-borne-encephalitis
  3. Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO). Wkly Epidemiol Rec 2011;86:241–256.
  4. Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control, ECDC). Factsheet about tick-borne encephalitis (TBE). https://www.ecdc.europa.eu/en/tick-borne-encephalitis/facts/factsheet, letzter Zugriff 08/2025 https://www.ecdc.europa.eu/en/tick-borne-encephalitis/facts/factsheet
  5. Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control, ECDC). TBE Epidemiology Report 2018. https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/TBE-annual-epidemiological-report-2018.pdf, letzter Zugriff 08/2025. https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/TBE-annual-epidemiological-report-2018.pdf
  6. Hombach J et al. In:. Plotkin, Walter A. Orenstein, Paul A. Offit, Kathryn M. Edwards, Plotkin's Vaccines (Seventh Edition), Elsevier, 2018, pp. 1080–1094.
  7. Mansfield KL et al. J General Virology. 2009;90:1781–1794.
  8. Dantas-Torres F. Climate change, biodiversity, ticks and tick-borne diseases: The butterfly effect. Int J Parasitol Parasites Wildl. 2015;4(3):452–461, letzter Aufruf: März 2024.
  9. Robert Koch Institut Epidemiologisches Bulletin 2005/16. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/4250/23yWQfXoeN.pdf?sequence=1&isAllowed=y, letzter Zugriff 08/2025. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/4250/23yWQfXoeN.pdf?sequence=1&isAllowed=y
  10. Robert Koch Institut Epidemiologisches Bulletin 09/2025. RKI - Epidemiologisches Bulletin - Epidemiologisches Bulletin 09/2025, letzter Zugriff 08/2025. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/09_25.html